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Übergabe eines offenen Briefes an Dora Andres

Heute am 11. März hatte eine Delegation der gesamtschweizerischen Koordination der Sans-Papiers einen Termin um Dora Andres, der kantonalen Polizeidirektorin, einen offenen Brief zu überreichen (siehe Anhang). Darin wird gegen den Polizeieinsatz in der Johanneskirche protestiert, der einen Tabubruch darstellt. Sie war aber entgegen der ursprünglichen Abmachung nicht anwesend, sondern liess sich durch Herrn Peter Furrer, Generalsekretär der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern, vertreten.

Herr Furrer war über viele Einzelheiten nicht auf dem Laufenden, sein Wissensstand war vor allem allgemeiner Natur. Einige Punkte seiner Äusserungen stiessen der Delegation besonders auf:

  • der Polizeieinsatz in der Johanneskirche war ein Versuch den Mut der Sans-Papiers zu brechen und eine pazifistische Bewegung zu kriminalisieren. Der Haftbefehl, den die Polizei beim Einsatz vorwies, beweist die Absicht, Mitglieder des Kollektivs verhaften und ausschaffen zu wollen. Herr Furrer sprach aber immer nur von Personenkontrollen.
  • Er schien nicht darüber informiert gewesen zu sein, dass zwei der zur Festnahme ausgeschriebenen Papierlosen, ein reguläres Dossier zu ihrer Regularisierung eingereicht haben. Dora Andres versicherte der Presse gegenüber jeweils, dass Personen, die sich in einem laufenden Verfahren befinden, nicht ausgeschafft werden dürfen. Bei der einen Person handelt es sich um einen Saisonnier, der seit über 10 Jahren in der Schweiz weilt.
  • Mit der Haussuchung in einem kirchlichen Raum wurde eine Gewaltschwelle überschritten. Der kirchliche Schutz ist zwar juristisch nicht verankert, hat aber bisher moralisch etwas gegolten und wurde respektiert. Die Argumentation der kantonalen Polizeidirektorin, dass es keine geschützten Räume gäbe, ist totalitär, indem einzig noch die nicht hinterfragbare Staatgewalt gilt. Die geschützten Räume, welche die Kirche anbieten kann, sind ja nun wirklich sehr beschränkt und beschneiden die staatliche Autorität letztlich sehr wenig.
  • Die Folge solcher Polizeieinsätze ist die Einschüchterung und Verängstigung der Sans-Papiers, viele werden wieder in ihr ursprüngliches Schattendasein zurückgedrängt ? aus den Augen, aus dem Sinn. Die Delegation verlangte in diesem Sinn, dass die jetzige Phase der polizeilichen Repression durch eine Phase der Vernunft und des Dialogs ersetzt werde. Die Lösung der Probleme der Sans-Papiers muss eine politische sein und keine polizeiliche.
  • Seit bald einem Jahr wird in der Öffentlichkeit die Problematik der rechtlosen Papierlosen wahrgenommen, und doch wurde bisher keine einzige Person als Folge davon regularisiert. Die Bewegung der Sans-Papiers ist trotz ihrer Forderung nach kollektiver Regularisierung auf die von den Behörden vorgeschlagene sogenannte Härtefallprüfung eingegangen. Sie hat zahllose Dossiers eingereicht und ist in diesem Sinn auf den behördlicherseits geforderten Dialog eingetreten.

Bern, den 11. März 2002.

Sans-papiers-Kollektiv Bern, Quartiergasse 17, 3013 Bern
sans-papiers-bern@gmx.ch
PC-Konto 30-344404-0