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Am Mittwoch, 13 März 2002,
besetzte die gesamtschweizerische Sans-Papiers Bewegung die Büros der Flugtaxifirma
Skywork am Flughafen Bern-Belpmoos. Ca. 35 AktivistInnen überstiegen um
14 Uhr die Abschrankung zum Flughafengelände und besetzten den Bürokomplex
von Skywork. Die friedliche Besetzung prangert die Ausschaffungspraxis des
Bundes sowie die Kollaboration der privaten Flugunternehmen an, die Profit
schlagen an den menschenverarchtenden und mörderischen Ausschaffungen des
BFF. Die privaten Charterflüge werden vor allem für Level 4 Ausschaffungen
gebucht, da sich z.B. die Swissair sich weigert diese zu vollziehen. Schenken
wir dem Pressesprecher von Skywork Hr. Gribi glauben, so werden rund 10
solcher Ausschaffungsflüge pro Jahr praktiziert, dies bedeute einen Umsatz
von rund 1 Mio. Franken. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern praktiziert
die Schweiz nach wie vor die Ausschaffung "um jeden Preis", hier sei an
die beiden Ausschaffungsopfer Khaled Abuzarifa und Samson Chukwu erinntert,
welche beide während eines Ausschaffungsversuches starben. Im Gegensatz
zu Österreich, wo letzte Woche sogar ein ehemaliger Minister wegen dem Tod
eines Flüchtlings während einer Ausschaffung vor Gericht erscheinen musste,
gab es den beiden Schweizer Fällen bis jetzt keine rechtskräftige Verurteilung.
Insgesamt sind in den letzten zehn Jahren in Europa mindestens 12 Menschen
während der Ausschaffung gestorben.
Wir wissen was Ausschaffungen in ihre Herkunftsländer für die Betroffenen
bedeuten kann: Keine sichere Existenz, Hunger, Armut, Gefängnis, Folter
und sogar Tod. Nicht zu vergessen sind die traumatischen Erlebnisse einer
Level 4 Ausschaffung. Wir finden es erschütternd, dass sich in einem Land,
das sich demokratisch und human nennt, sich an der Verletzung eben dieser
moralischen Grundsätze Private bereichern. Die Anti-Folterkommission des
Europarates, amnesty international, die Uno sowie verschiedenste Organisationen
verurteilen die schweizerische Ausschaffungspraxis. Auch rechtlich gesehen
ist eine Ausschaffung unter Gewaltanwendung fraglich, da die Polizeikompetenz
beim schliessen der Boardtüre verfällt.
Mit dieser Aktion protestieren wir gegen die zunehmende Repression sowie
die erfolgten Ausschaffungen.
Bern, 13.3.2002 Gesamtschweizerische Koordination der Sans-Papiers Kollektive
Flugblatt zur Aktion
Gegen die Repression und Ausschaffungen - Solidarität mit den Sans-Papiers
Seit mehr als 9 Monaten sind die Sans-papiers der Schweiz aus dem Schatten
getreten, um die Heuchelei der ungerechten Gesetze dieses Landes zu denunzieren,
die darin besteht, sie entweder in der Illegalität zu belassen oder sie
in die Illegalität zu treiben. Diese Situation ermöglicht es, sie auf dem
Arbeitsmarkt auszubeuten ohne ihnen auch nur die fundamentalsten Rechte
zuzugestehen, deshalb fordern sie
- Die kollektive Regularisierung
- Einen sofortigen Ausschaffungsstopp
- Die Aufwertung der Lebens- und Arbeitsbedingungen aller
- Gleichbehandlung
- Den generellen freien Personenverkehr.
Bis anhin blieben die politischen Behörden "aller couleurs" für die Anliegen
der Sans-Papiers taub und schlugen ihnen als Antwort lediglich die Aufrechterhaltung
der Einzelfallprüfung von Härtefällen vor. Dazu die Repression: Verhaftungen
und Ausschaffungen von Sans-Papiers. Aber selbst dort verstricken sie sich
in Widersprüche, in dem sie Sans-Papiers, die ein hängiges Härtefallprüfungsverfahren
haben, ausschaffen oder sie zur Verhaftung ausschreiben. Die generell repressivere
Migrationspolitik ? darin sind Massnahmen gegen die Schwarzarbeit, Revision
des Asyl- und AusländerInnengesetzes enthalten, was deutlich macht, dass
die Kantons- und Bundesbehörden hoffen, die Bewegung der Sans-Papiers liquidieren
zu können. Sie geben den Papierlosen eine polizeiliche Antwort ? miteinbezogen
der Rückgriff auf private Flugunternehmen für Ausschaffungen bis zu Level
4 (Fesslung, Rollstuhl, Knebelung, Windeln usw.) Skywork ist eine dieser
Firmen, die bis zu 33?000 Fr. pro auszuschaffende Person vom Bundesamt für
Flüchtlinge (BFF) erhält. Diese menschenverachtende Praxis ist für sie ein
lukratives Geschäft. Immer wieder sorgen die Zwangsausschaffungen für Diskussionen,
nicht zuletzt als im März 1998 ein Palistinänser an der Level 4 Praxis starb.
Für Aufsehen sorgte das Flugtaxifirma Skywork bei der Ausschaffung von Jao
L. aus dem Kongo, sowie Victor K. und Jean-Marie M.. Die Polizisten fesselten
alle Gefangenen an die Sitze. Sie konnten weder auf die Toilette noch konnten
sie eigenständig Essen und Trinken. Den Ausschaffungscharter begleiteten
zwei Mitglieder der Antiterroreinheit ?Diamant? der Zürcher Kantonspolizei,
vier Beamte der Ausschaffungsbehörden und zwei Piloten der Firma Sky-Work.
Die 3 wurden dem militärischen Geheimdienst übergeben. Von zweien fehlt
bis heute jede Spur.
Unser Protest richtet sich gegen die verfehlte Migrationspolitik, sowie
die Ausschaffungen. Wir beziehen uns dabei auf die in der UNO-Menschenrechtkonvention
verfasste Niederlassungsfreiheit. Wir appellieren aber auch an die MitarbeiterInnen
des Flughafen Belpmoos, sowie die Angestellten der Firma Sky-Work diese
menschenverachtenden Ausschaffungen zu verhindern oder sich zu weigern solche
durchzuführen.
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