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Dies sind 10 Geschichten von sans-papiers aus unserem Kollektiv, die für
sich selbst sprechen. Die meisten von ihnen hätten nach den neu ausgehandelten
"Härtefall"kriterien aus keine Chance, ihren Aufenthalt zu legalisieren.
Paul*, (Student der Landwirtschaft). Wegen dem Krieg musste er sein Studium
abbrechen. Er kam vor sechs Jahren illegal in die Schweiz, stellte auch
keinen Asylantrag, aus der Angst, abgewiesen zu werden. Für 12 Stunden Arbeit
am Tag, sieben Tage die Woche, verdiente er 700 Fr. ohne Kost und Logis
auf einem Bauernhof. Den Winter durch arbeitete er in der Gastronomie und
verdiente 500 Fr. im Monat. Seit er in der Schweiz ist, hat er keinen Kontakt
zu seiner Familie. Er weiss nicht, wie es ihnen geht und ob sie überhaupt
noch am Leben sind. Sein grösster Wunsch ist es, Papiere zu erhalten und
in der Schweiz zu bleiben.
Rolf* ist nun bald neun Monate in der Schweiz. Hier in der Schweiz arbeitet
er in einem Restaurant und ist ebenfalls ein Billigarbeiter. In seiner Heimat
berichtete er als Journalist in verschiedenen Kriegen und wurde deswegen
von der Regierung bedroht. Rolf spürt, dass er hier ebenso als illegaler
Mensch behandelt wird; für ihn ist die Hoffnung klein, dass er hier duch
politische Massnahmen zu einer Garantie für ein sicheres Leben kommen wird.
Leo*, (verheiratet, 6 Kinder, Mechaniker und Winzer) 1989 reiste er mit
dem Studentenvisum in die Schweiz, 1990 arbeitete er als Saisonnier auf
einem Bauernhof, 1900 Fr. verdiente Leo, dazu Kinderzulage, Kost und Logis.
Am Sonntag erhielt er 4 Stunden Pause. Danach verdiente er 3900 Fr. auf
dem Bau. Nach der Abschaffung des Saisonnierstatuts beantragte er Asyl,
sein Antrag wurde abgelehnt. Seit Mitte 2000 lebt er illegal in der Schweiz.
Hier wünscht er sich eine Aufenthaltsbewilligung um zu arbeiten und seine
Familie zu unterstützen.
An dieser Stelle wollten zwei Frauen aus dem Sans-Papiers Kollektiv ihre
Geschichte erzählen. Doch sie wurden noch vor der Fertigstellung dieser
Broschüre ausgeschafft. Wir haben ihre Geschichte kurz zusammengefasst.
Im November 1998 kamen die beiden Schwestern in die Schweiz und stellten
einen Asylantrag. Die Befragung fand durch einen Beamten statt. Der Dolmetscher
setzte die beiden Frauen unter Druck. Sie sollten das Erlebte nicht erzählen,
sie würden sonst zurückgeschickt. Sie mussten das Protokoll ungeprüft unterschreiben.
In der Schweiz gingen sie erst zum Arzt als ihr Rechtsvertreter eingeschalten
wurde, dies weil sie glaubten kein Recht darauf zu haben. Der Bruder lebt
seit über 10 Jahren "legal" in der Schweiz, der Vater seit fast 25 Jahren.
Mitte der 90er Jahre konnte die Mutter nachziehen. Die Schwestern besuchten
Deutsch- und PC-Kurse.
Albert*, (verheiratet, 3 Kinder, Lehrer). 1988 als Saisonnier in die Schweiz
gekommen. Arbeit in einer Lüftungsfabrik für 3200 Fr./Monat, bei 9 Stunden
am Tag. 1996 Arbeit in einer Zimmerei, 3600 Fr. Verschiedene Schwarzarbeiten
bei rund 20 Fr. Stundenlohn bei einer Gerüstbaufirma. Seine Familie lebt
nicht in der Schweiz. Albert arbeitet, um seine Familie durchzubringen.
Heinz*, 50 (Elektriker) verheiratet, Vater von zwei Kindern Ich floh im
März 1994 noch während des Bosnien-Krieges zusammen mit meiner Frau und
den beiden Töchtern in die Schweiz. Ich habe ein Asylgesuch gestellt, welches
im Juni 1995 abgelehnt wurde, erhielt jedoch wegen Unzumutbarkeit einer
Ausschaffung eine vorläufige Aufnahme F. Im Sommer 1998 wurde entschieden,
dass wir die Schweiz wieder verlassen müssen. Seither leben wir hier ohne
Papiere. Ich kann nicht zurückkehren. In Bosnien herrschen Ungerechtigkeiten,
Korruption und Kriegsverbrecher können sich frei bewegen. Ich fühle mich
zu schwach und zuwenig durchsetzungsfähig und habe keinen Mut mit meiner
psychisch schwerkranken Frau und mit meiner ebenfalls in Psychotherapie
befindlichen Tochter in Verhältnisse zurückzukehren, in der sich nur starke,
kämpferische Menschen behaupten können. Ich bin gut in die Schweiz integriert,
spreche gut Deutsch und besuche diverse Fortbildungskurse. Meine 25 Jährige
Tochter hat mit sehr guten Resultaten diesen Sommer eine kaufmännische Lehre
abgeschlossen. Für sie ist es praktisch unmöglich eine Arbeit zu finden.
Die jüngere, 16 Jährige Tochter ist in der 9. Klasse. Ich möchte nichts
anderes als einen geregelten Aufenthaltsstatus für mich und meine Familie.
Arif* Arif ist in Mazedonien geboren und aufgewachsen. Als junger Albaner
war es für ihn schwierig Arbeit zu finden, deshalb reiste er der Arbeit
in Bosnien, Kroatien, Slowenien, Deutschland und in der Schweiz nach. Er
und seine Frau haben gemeinsam fünf Kinder. Sie hat diese alle während seiner
Abwesenheit zur Welt gebracht. Um seine Familie ernähren zu können, hat
er in all den Jahren jede Arbeit verrichtet, die ihm angeboten wurde. Von
1990 bis 1996 arbeitete er als Saisonnier in der Schweiz. Nachdem ab 1996
Staatsangehörigen von Ex-Jugoslawien keine Saisonnierbewilligungen mehr
ausgestellt wurden, hatte er dennoch die Möglichkeit weiterzuarbeiten. Die
Firma, bei der er in dieser Zeit angestellt war, reichte jedes Jahr für
ihn ein neues Gesuch ein. Dieses wurde immer abgelehnt. Um seiner zurückgebliebenen
Familie wenigstens ein paar Geldscheine schicken zu können, arbeitet Arif
jetzt seit über zehn Jahren in der Schweiz und spart sich vom Mund ab, was
er nur kann. Sein Wunsch ist, seinen Kindern eine bessere Schulbildung zu
ermöglichen, als er selber erhalten konnte.
Aida* Aida ist in Bosnien geboren und aufgewachsen. Sie lebte mit ihrer
Familie zusammen und absolvierte eine Ausbildung als der Krieg ausbrach.
Die Familie wurde auseinandergerissen und vertrieben. Als auch in Kroatien
der Krieg ausbrach, flüchtete sie in die Schweiz zu ihrer Tante. Die traumatischen
Kriegsereignisse verfolgen sie bis heute. In der Schweiz wartete sie vier
Jahre lang auf einen Entscheid des BFF auf ihr Asylgesuch. Dieser fiel negativ
aus. Die Vorstellung, in ihre vom Krieg zerstörte Heimat zurückzukehren,
ohne Ausbildung und zu alt um noch zu heiraten, mit all den Erinnerungen
an die Gewalt und ihre Deportation, welche sie erlitten hatte, machte sie
zunehmend krank. Sie wurde lebensmüde und musste in eine psychiatrische
Klinik eingewiesen werden. Heute ist sie sieben Jahre in der Schweiz, ohne
Zukunftsperspektive und kann wegen ihrem gesundheitlichen Zustand nicht
ausgeschafft werden. Sie weiss, dass sie das Land sofort verlassen muss,
falls ihr Gesundheitszustand das erlauben sollte.
Cemal* Cemal ist in Ostanatolien, in einem kurdischen Dorf mit 500 Einwohnern,
geboren und aufgewachsen. Er besuchte während fünf Jahren die Schule. Als
junger Kurde kam er zum ersten Mal in die Schweiz und stellte ein Asylgesuch.
Dieses wurde nach vier Jahren abgelehnt. Er reiste zurück in die Türkei
und versuchte, sich seine Zukunft aufzubauen. Er zog in einen Vorort einer
Grossstadt, gründete eine Familie, arbeitete und war Mitglied einer parlamentarischen
kurdischen Partei. Die Militär- und Polizeikontrollen häuften sich, er wurde
mehrmals verhaftet und über Nacht festgehalten. Die Misshandlungen während
dieser Nächte sind an seinem Körper heute noch sichtbar. Er kam nach 9 Jahren
zum zweiten Mal in die Schweiz und stellte ein Asylgesuch. Bei seiner Befragung
durch das BFF wurden seine Aussagen von einem türkischen Dolmetscher übersetzt.
Nach 10 Monaten war sein Asylverfahren abgeschlossen, sein Gesuch wurde
abgelehnt. Er wagt es nicht, wieder in die Türkei zu reisen. Seine geschiedene
Frau und seine Kinder sind mittlerweile auch in der Schweiz und haben ein
Asylgesuch gestellt. Er bleibt lieber ohne Papiere hier, als sich den türkischen
Behörden nochmals auszuliefern.
Thomas* (Ingenieur) ist schon über 4 Jahre in der Schweiz. In seinem Heimatland
drohten ihm durch seine politische Aktivität in einer demokratischen Partei
ständige Verfolgungen durch die Polizei. Nachdem er in die Schweiz kam,
bekam er eine Stelle als Mechaniker. Durch einen medizinischen Eingriff
und die darauffolgenden Beschwerden (aufgrund eines ärztlichen Versagens)
wurde sein Aufenthalt hier zu einer Notwendigkeit. Durch seine Illegalität
verlor er dann seine Stelle und arbeitete zeitweilig auf Baustellen und
in der Landwirtschaft.
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