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Johanneskirche, 27. Januar 2002
Am Samstag, dem 26. Januar 2002, besetzte das Sans-Papiers Kollektiv Bern
die reformierte Johanneskirche im Breitenrainquartier. Das ist die vierte
Besetzung in fünf Monaten. Unser Konzept war immer, dass wir den Alltag
im Kirchgemeindehaus nicht überstrapazieren wollen. Dieser Punkt ist nun
erreicht, deshalb ziehen wir in bestem Einvernehmen aus der Kirche Bethlehem
aus. Über die Weihnachtszeit wurde es ruhig um das Kollektiv der Sans-Papiers.
Es war eine Zeit der Arbeit, interner Umstrukturierung, der Diskussionen
und Neuorientierung. Die Vernissage am 20. Januar zur Ausstellung von Werner
Neuhaus - die 36 Gerechten, Kunst für Sans-Papiers - in der besetzten Kirche
Bethlehem, war das erste Lebenszeichen nach einer Pause von über einem Monat
und zugleich ein Signal in welche Richtung sich der politische Kampf entwickeln
wird. Vermehrt soll mit Kunstschaffenden zusammengearbeitet werden, wie
es in Zürich mit Herrn Schlingensief und seiner Naziline war. Hinsichtlich
der Landesausstellung, sind diverse Aktionen mit KünstlerInnen in Planung.
Auch eine Sans-Papiers CD soll es geben. Sans-Papiers haben Rechte, Grundrechte
und Menschenrechte, die ihnen jedoch verwehrt werden. An der Grossratssitzung
vom 29. Januar werden Interpellationen zu diesem Thema gestellt. Ab dem
21. März wird es eine Aktionswoche zum Thema Menschenrechte geben, an der
verschiedene Parteien und Organisationen beteiligt sind. Migrantinnen werden
kriminalisiert und illegalisiert. Es findet ein staatlich unterstützter
Frauenhandel statt. Durch die prekäre Aufenthaltsbewilligung L, werden Frauen
bewusst fürs Sex- und Putzgewerbe kanalisiert. Vielfach ist die einzige
Möglichkeit zu einer gültigen Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung zu gelangen,
die Migration zwecks Heirat bzw. Ehe. Bei Heirat erhält man eine auf fünf
Jahre begrenzte Aufenthaltsbewilligung B, die bei Scheidung oder Tod des
Ehegatten ihre Gültigkeit verliert, und somit Frauen in die Illegalität
abdrängt. Diese Umstände zwingen Frauen jahrelang Gewalt und Sexismus in
der Ehe zu ertragen. Deshalb wird es rund um den 8. März, dem Tag gegen
Gewalt an Frauen, zu verschiedenen Aktionen zu diesem Thema kommen. Ein
Weltrekordversuch ist in Planung und Aktionen in Vorbereitung hinsichtlich
den prekären Arbeitsbedingungen von Papierlosen. Auch wenn es realpolitisch
schwierig sein wird, eine grosszügige Lösung zu erreichen, wird unser Kampf
für eine kollektive Regularisierung aller Sans-Papiers weitergehen. Die
Bewegung der Papierlosen ist stark und wächst ständig!
Alle sind herzlich eingeladen in die besetzte Johannes ? Kirche zu kommen,
sich mit den Papierlosen und ihren verschiedenen Schicksalen auseinanderzusetzen,
zu diskutieren, zu essen, oder einfach nur zu verweilen. Jeden Abend um
19 Uhr gibt es Nachtessen für alle die wollen.
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